Ein universelles Thema (der Tot einer geliebten Person), die ewigen Konflikte zwischen Eltern und Kindern und vor allem das symbolische Verhältnis, das die Dinge annehmen, die man im Laufe des Lebens ansammelt: dies sind die Hauptargumente von „Possesso“, eine kaustische Komödie des israelischen, nobelverdächtigen Romanciers Abraham B. Yehoshua.Die Geschichte entwickelt sich in Jerusalem, aber könnte sich ohne Probleme in jeglicher Stadt abspielen, Dank der Universalität der behandelten Themen. Die Hauptdarstellerin (Franca Valeri) beschließt, sich nach dem Tot ihres Ehemanns in ein Altersheim zurückzuziehen. Vor dem Umzug versucht sie allerdings, eine unendlich lange Reihe an Gegenständen loszuwerden, die auf ihre Art und Weise ihre Existenz gezeichnet haben. Um dies zu tun, bittet sie ihre beiden Kinder um Hilfe, von denen jedes mit seinen Alltagsproblemen beschäftigt ist.
In Wahrheit kämpft Rochelle einen inneren Krieg: mit enormen Schuldgefühlen, ihren Mann nicht verstanden und ihm nicht beigestanden zu haben, sucht sie zu Ende ihres Lebens eine Art und Weise, um im nachhinein um Verzeihung zu bitten und eine Verbindung mit ihren Kindern herzustellen. Das Problem ist, dass ebenso letztere mit Gewissensbissen und Zweifeln zu Gange sind: einerseits wird Ezra (ein hervorragender Urbano Barberini) von seiner Ehefrau (die von allen, auch von ihm selber, als mehr auf Draht betrachtet wird) und von der Vaterfigur erdrückt (was er mit einem seltsamen Fieber somatisiert), andererseits identifiziert Eva (Silvia Luzzi) die Krankheit des Vaters mit ihrem älteren Ehemann (und beschließt daher, sich von ihm scheiden zu lassen).
Beide sind Lichtjahre davon entfernt, die Schwierigkeiten ihrer Mutter zu verstehen. Nur zum Schluss der Geschichte erahnt der Sohn das Drama, das von allen Verwandten (ihm selbst inbegriffen) gelebt wird, aber er strebt nichts an, um dies zu ändern und bevorzugt die Rückkehr zur „Normalität“: ein hektisches Leben, das den Familienbänden keine Zeit lässt.
Das Schauspiel trifft den Zuschauer sowohl auf Grund des wunderschönen Bühnenbilds (die Bühne wird von unglaublich vielen Gegenständen ausgefüllt), als auch Dank der Professionalität der gesamten Truppe, aber vor allem auf Grund der hervorragenden Interpretation von Franca Valeri, die mit ihren 82 Jahren atemberaubend ist. Die mailändische Schauspielerin rezitiert mit der Frische einer Zwanzigjährigen und schenkt dem Publikum Momente an großartigem Theater, was ihr eine verdiente Standing Ovation der gerührten Zuschauer einbringt.
„Possesso“ von Abraham B. Yehoshua
(Übersetzung von Chiara Balestrazzi)
Die Tappen der Tournee:
9.-13. April in Cagliari (Theater Alfieri)
14. April in Tempio (Theater Carmine)
15. und 16. April in Sassari (Theater Verdi)
18. April in Lanciano (Stadttheater)
19. April in Frosinone (Theater Nestor)
20. und 21. April in Latina (Stadttheater)
April.2002
Die Theater in Cagliari (auf Italienisch)