Diesmal gibt das Publikum die Zugabe: es handelt sich um eine der zahlreichen Neuheiten in dem Schauspiel "Infinities" mit der Regie von Luca Ronconi. Nach einem Rundgang in fünf Zimmern, die auf verschiedenen Art und Weise und mit unterschiedlichen Inhalten die Unendlichkeit darstellen, haben die Zuschauer die Möglichkeit, nochmals in die verschiedenen Szenen zurückzukehren und sich so einen persönlichen Rundgang zu kreieren.Ein sehr eigene Performance, was allerdings bei dem behandelten Thema nicht anders hätte sein können: an die Unendlichkeit und ihre Interpretationen gebundene Obsessionen. Die Struktur des Schauspiels wurde von dem Astrophysiker John Barrow erdacht, der den Text in fünf Sektionen unterteilte, um die gleiche Anzahl an Variationen zum Thema darzustellen.
Die Darstellung (die in einer ehemaligen Industriehalle inszeniert wird) ist eine regelrechte Reise: man betritt die Szene in kleinen Gruppen aus 80 Personen und das Willkommen wird von dem Leiter eines Hotels übernommen, das unendliche Zimmer hat. Das Publikum wird unmittelbar einer Reihe an Paradoxen gegenübergestellt, die an diese Situation gebunden sind. Ein zweiter Raum behandelt ein kommunes Dilemma: die Unsterblichkeit. Sie ist seit jeher Traum der Menschheit, aber das Schauspiel (das von 10 Schauspielern und circa 30 Statisten dargestellt wird) wirft die Situation um und der Traum wird recht bald zu einem Alptraum.
Interessant ist auch der inszenierte Unsinn des dritten Zimmers, wo alles doppelt ist. Dem kann man entnehmen, das jede unserer Gesten, jede Idee oder Angst bereits in einem anderen Universum existiert. Ein Mythe, die die Literatur perfekt ausgeschöpft hat, Dank Molière, Kleist, Goldoni, Stevenson und Dostoevskij. Das vierte Zimmer ist extrem komplex. Von den von Galileo entdeckten, mathematischen Inkongruenzen aus, erreicht man die Obsessionen von Cantor, der bis zum Wahnsinn versuchte, als erster zu beweisen, das die Unendlichkeit keine hohe Nummer ist.
Der letzte Raum ist die perfekte Zusammenfassung des Schauspiels: in der Zeit reisen, eine Eventualität, die die Fantasie anregt (wer würde die Zukunft nicht gerne ändern?). Es bestehen zwei Möglichkeiten: man betrachtet die Zeit entweder als linear oder als zirkulär. Im ersten Fall verläßt der Zuschauer das Zimmer und kehrt nach Hause zurück. Im zweiten Fall nimmt er seinen Rundgang von der ersten Szene aus wieder auf. Welche Wahl auch immer Sie treffen, eines ist sicher: mit "Infinities" ist es Ronconi wieder einmal gelungen, uns zu erstaunen.
"Infinities"
Regie von Luca Ronconi
Wo: Nave de Sagunto in Valencia
Wann: 19. April - 12 Mai 2002
Eintritt: von € 13,50 bis € 27,00
Öffnungszeiten: Eintritt schubweise. Wochentags von 19.40 bis 22.45 Uhr. Feiertags von 16.00 bis 18.45 Uhr.
(Foto von Marcello Norberth)
März.2002
Infinities (auf Italienisch)