Man schrieb das Jahr 1976, als Gianna Nannini ihr erstes Album veröffentlichte, «Gianna Nannini», während sie 1988 ihre erste Filmmusik herausbrachte, für den Film «Sconcerto Rock» von Bernardo Bertolucci. Vielseitig und alternativ, vermittelt diese gestandene Frau Energie und Gefühl. Allerdings entdeckt man in «Aria», dem sanften Song zu der neuen, italienischen Zeichentrickfilmserie «Momo», eine etwas andere Gianna Nannini...Wie entstand Dein Arrangement der Musik für den Film «Momo alla conquista del tempo»?
Als ich die ersten Szenen des Films sah, habe ich mit Enzo D‘Alò gesprochen und ihm erklärt, dass meiner Meinung nach gut Harfe und Bachtrompete zu dem Stück passen würden, das sie die einzigen Instrumente waren, welche die Stimme ersetzen konnten, und andererseits, auch eine Rock-Punk Gruppe mit ganz essenziellem und minimalem Stil: Bass, Gitarre und Schlagzeug. Ich arbeitete zu der Zeit mit drei Jungs aus Catania, die ich dann in die drei Lieder des Films verwickelt habe.
Und wie ging es dann weiter?
Wir haben auf der Basis der Filmausschnitte gearbeitet, aber vor allem haben wir versucht, die Musik in Session und mit Improvisationen zu spielen , woraufhin ich dann den Rest konstruierte. Das Lied «Gli uomini grigi» ist zum Beispiel gesungen, aber in diesem Fall wurde meine Stimmlage in Bariton verwandelt. Mein Ziel war es, das Filmerlebnis durch die Musik verschieden zu gestalten, die einzelnen Momente mit den Grauen Männern, mit Momo und dem Kampf zu unterscheiden.
Du hast die Texte zusammen mit Isabella Santacroce geschrieben, war es leicht sie dann der Musik anzupassen?
Bisher hatte ich noch nie mit einer Schriftstellerin gearbeitet und habe ihr unsere Zusammenarbeit vorgeschlagen, da sie ein sehr musikalisches Gehör hat und mir die Idee von zwei Frauen in einer «kriminellen Vereinigung» gefiel. Unsere Textmethode bestand nicht im Niederschreiben der Worte: wir sangen sie. Ich gab eine Bass- und Schlagzeuglinie vor und dann improvisierten wir mit den Texten, indem wir alles aufnahmen und versuchten, die Instrumente mit der Stimme zu ersetzen. Ich benutzte diese Methode auch für mein nächstes Album.
Dies ist nach «Sconcerto Rock» Deine zweite Filmmusik. Was hat sich seitdem geändert?
Zu den Zeiten von «Sconcerto Rock» hatte ich weniger Erfahrung, das war 1991 und ich wußte noch nicht, wie man eine Rockgruppe leitet. Jetzt fühle ich mich viel sicherer, weil es fast wie für einen Dirigenten ist. Außerdem handelte es sich damals um einen Film mit Menschen aus Fleisch und Blut und das macht es schwieriger, unter anderem hatte ich mir die Dialoge nicht anzuhören können. Mit Momo hingegen hatte ich mehr Narrenfreiheit, ich konnte die Instrumente aussuchen, Bachtrompete und Harfe hinzufügen. Und dann hat es mir auch viel Spaß gemacht, meine Wohnung mit Mikrofonen für die Geräuschexperimente vollzustellen.
Während Du an dem Film von D‘Alò arbeitetest, hast Du jemals an die Kinder gedacht?
Nicht ein einziges Mal. Vielleicht ein wenig an meine Nichte.
Januar.2002
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