Roberto Benigni ist der Titel einer neuen Veröffentlichung des Herausgebers "Il Castoro Cinema" über das Leben und die Abenteuer des toskanischen Komödianten, der momentan mit der Herstellung seines jüngsten Films "Pinocchio" beschäftigt ist. Das Buch von Cristina Borsatti, Filmologiedozentin der Universität Triest, sammelt in Erzählform einige Interviews mit Benigni.Die Gedanken des Schauspielers werden in Auszügen wiedergegeben, in Form von thematischen Meinungen, die in Kapitel unterteilt sind. "Lachen ist die poetischste Sache der Welt. Das Lachen besitzt Heiterkeit und Schönheit: es ist seit immer das, was die Leute am liebsten tun. Lachen ist eine Sache, die man nicht erklären kann...".
Ein Teil des Buchs ist der Biografie des Schauspielers gewidmet und in dieser Sektion kann man lesen, dass Benigni behauptet, dass er sich überhaupt nicht an seine Kindheit erinnert. Er wurde 1952 in Misericordia geboren und die erste Kindheitserinnerung von Roberto ist der Regen an dem Tag, an dem er von Misericordia nach Vergaio umzog. Er war wenig mehr als vier Jahre alt, als seine Familie das Drama der Immigration erlebte, ein schwieriges Erlebnis, das von vielen anderen italienischen Landfamilien geteilt wurde, als sie in den Fünfzigerjahren der Zerbrechlichkeit einer Branche auf Grund der Industrialisierung der Großstädte gegenüberstanden. "Wir schliefen in einem einzigen Bett, weil wir eine der Familien mit epischem Hunger waren. Unserer gesamtes Eigentum bestand aus drei oder vier Entchen...".
Es handelte sich um einen regelrechten Auszug der Landbevölkerung in Richtung der Industriepole ab der unmittelbaren Nachkriegszeit, der sich in die Erinnerung von Roberto Benigni einprägte. Und er selbst gibt zu, dass das ländliche Leben stets in seinen Filmen Ausdruck gefunden hat, als eine Art Gut seiner Vergangenheit und einer Welt, die immer mehr vom Aussterben bedroht ist. Seit seiner Theatererfahrung und für viele Jahr auch im Filmwesen hat Benigni versucht, die Figuren des toskanischen Landlebens darzustellen, mit den Angewohnheiten und Gebräuchen, die ihm am nächsten standen, und verlieh so einem Teil Italiens Ausdruck, der Vielen unbekannt war. "Der toskanische Dialekt ist eine Art neues, weniger gebrauchtes "vernacolo". Anfangs gebrauchte man ihn wenig, vielleicht weil er die Sprache der Herren war und man nur mit den Knechten lachen kann".
Daraufhin erfolgt der Übergang zu seinen "militanten" Filmen, als Sohn der Siebzigerjahre, wo er die klassischsten Stereotypen lächerlich macht. Roberto Benigni sammelt künstlerische Erfahrungen sowohl als Schauspieler unter der Leitung anderen, italienischer Regisseure (Giuseppe Bertolucci, Federico Fellini, Marco Ferreri, Renzo Arbore oder die amerikanische Erfahrung in "Daunbailò" mit Jim Jarmush und Tom Waits), als auch als Regisseur von "Tu mi turbi", "Il piccolo diavolo" und "Johnny Stecchino", bis hin zu seiner verdienten Auszeichnung mit dem Oskar für "La vita è bella". Jedem dieser Filme ist ein Kapitel des Buchs gewidmet, ohne die Nostalgie und die Erinnerung an Massimo Troisi in "Non ci resta che piangere" zu vergessen.
Zu Anfang und zu Ende von "Roberto Benigni" werden einige Kuriositäten über das Entstehen von "Pinocchio" erzählt, ein Name, der dem toskanischen Schauspieler jahrelang von Freunden, Journalisten und Kollegen verliehen wurde und der sich schließlich, wie durch eine natürliche Evolution, in Bilder hat verwandeln müssen. "Seit zwanzig Jahren, vielleicht sogar seit ich geboren wurde, hatte ich den Wunsch, dass sich meine Nase verlängerte. Während ich auf meinem Bett ausgestreckt war und nachdachte, fühlte ich schließlich, dass jemand meine Hand nahm: es war Pinocchio. Jedesmal wenn ich einen Film zu Ende brachte sagte ich: "Oh! Und jetzt mache ich Pinocchio!"
Roberto Benigni, 123 Seiten
Von: Cristina Borsatti
Herausgeber: Il Castoro Cinema
Preis: € 9,90
Februar.2002
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