Auch das diesjährige Festival von Sanremo ist zu Ende gegangen. Mit seinem Schleier aus Polemiken, hat das Festival seine Tore geschlossen und ließ uns mit leeren Diskussionen, wenigen erinnernswerten Liedern und zwei sehr begabten jungen Künstlerinnen in der Kategorie Newcomer: Valentina Giovagnini und Anna Tatangelo.Die Siegerin des Festivals der Newcomer hat den Abend eröffnet, als sie gemeinsam mit Pippo Baudo die Bühne betrat und mit ihrem Lied "Doppiamente Fragili" aufgetreten ist. Am letzten Abend war in dieser Ausgabe des Festivals die Musik zum ersten mal der wirkliche Hauptdarsteller und die Künstler wechselten sich auf der Bühne ohne allzu lange Wartezeiten zwischen dem einen und dem anderen Liederblock ab. Der Wettkampf war mitreißend und enthielt nun endlich den "Big" würdige Interpretationen.
Die Volksjurys wurden auf der Basis der Familienkerne ausgewählt, auch wenn die Anzahl der Richter gleich blieb. Es begann Loredana Bertè, die ihre vorhergehenden Teilnahmen wieder gut gemacht hat und einen Wettbewerb gestartet hat, bei jedem jeder in einer entspannten Atmosphäre sein Bestes gegeben hat.
Nach der vermiedenen Gefahr des Eierwurfs auf Roberto Benigni, mit dem der Direktor der Tageszeitung "Il Foglio" Giuliano Ferrara gedroht hatte, der auch einer der angesehensten Vertreter der Berlusconiregierung ist (mehr als ein Protest gegen den Oskargewinner mit "La vita è bella", der sich seit jeher als politisch links erklärt, schien die Initiative von Ferrara eher ein Kommunikationsmanöver zu sein, um die Sichtbarkeit bei dem italienischen Publikum auszunützen, die das Festival von Sanremo unvermeidbar mit sich bringt, A.d.R.), hat der großartige Komiker die Bühne mit einem Auftritt erleuchtet, der reich an Humanität, Surrealismus und Tiefe war.
Roberto Benigni, der wie immer improvisiert hat, hat seine Satire gegen Mächtige und Herrschsüchtige gerichtet, in einem atemberaubenden Crescendo, das die philosophischen Tiefen der Komik berührte und das Publikum im Saal zu der einzigen Standing Ovation des Festivals hingerissen hat. Zwischen dem einem und dem anderen Gag, der unvermeidliche Griff an Pippo Baudo's Weichteile, der Vortag einer italienischen Poesie aus dem 14. Jahrhundert und ein meisterhaft gesungenes Lied: Roberto Benigni war ohne Zweifel die wahre Perle des Festivals.
Daraufhin hat Raul Bova Britney Spears präsentiert, der erste internationale Gast des Abends und Idol der Teenager, die mit einer Version "unplugged" ihres Hits "Not a girl, not yet a woman" aufgetreten ist.
Abgesehen von dem Resultat der Jury und den Daten Auditel, unser persönliches Sanremo hat uns einige kleine, musikalische Schmuckstücke entdecken lassen, wie zum Beispiel das Lied "Salirò" von Daniele Silvestri, das einen akzentuierten und überzeugenden Rhythmus ausnützt, um eine gut gemachte Melodie und einen ebenso gut gemachten Text zu entwickeln, oder "L'Immenso" von Patty Pravo, das eine sehr eigene, rhythmische Division in der Refrainmelodie hat und die einzige wahre Neuigkeit unter den Liedern der "Big" darstellt.
Angenehm auch die Songs von Francesco Renga und Michele Zarrillo, allerdings absolut im Durchschnitt der Lieder von dem diesjährigen Festival, das uns lebendiger in der Kategorie Newcomer erschien. Zu vergessen waren die Auftritte der Lollipop und der Timoria. Die Mädels der Girlband Lollipop besitzen alle samt einen Kamerakomplex, der mit Musik nichts zu tun hat, während die Timoria entscheiden sollten, wer von ihnen der Sänger ist und ob ihre bisherige Wahl zutreffend war.
Die Qualitätsjury hat folgende Spezialpreise verliehen: an Gino Paoli für den besten Text, an Alexia für das schönste Lied und an Valentina Giovagnini für das beste Arrangement. Der Kritikerpreis "Mia Martini" wurde Daniele Silvestri verliehen, der sich auch den Preis der Fernseh- und Radiojournalisten zusprach. Ein ganz spezieller Preis wurde von dem Bürgermeister von Sanremo an Pippo Baudo verliehen, zu Ehren seiner Treue zum Festival.
Während man auf die Endresultate wartete, traten die Coors und die Cranberries auf, beides berühmte Rockbands aus Irland und die letzten internationalen Gäste des diesjährigen Festivals. Die endgültigen Stimmenabgaben spiegeln voll und ganz die Resultate der Vorabende wider und rauben Alexia das Festival, einer Künstlerin mit internationaler Tragweite, zu Gunsten der Matia Bazar, die sich mit einem Lied präsentiert haben, das für einen Sieg beim Festival konstruiert wurde und den aktuellen Durchschnittsgeschmack des italienischen Publikums widerspiegelt. Der dritte Platz von Gino Paoli vervollständigt das ausschließlich ligurische Podium eines Festivals, das sehr gesehen war, aber auch ein wenig grob geschnitten und tolpatschig erschien und der italienischen Musikszene nichts Neues hinzugefügt hat.
Das Endresultat des 52. Italienischen Liederfestivals
1. Matia Bazar
2. Alexia
3. Gino Paoli
4. Fausto Leali - Luisa Corna
5. Enrico Ruggeri
6. Mariella Nava
7. Filippa Giordano
8. Francesco Renga
9. Fiordaliso
10. Gazosa
11. Michele Zarrillo
12. Gianluca Grignani
13. Alessandro Safina
14. Daniele Silvestri
15. Nino D'Angelo
16. Patty Pravo
17. Loredana Bertè
18. Mino Reitano
19. Lollipop
20. Timoria
März.2002
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