Mit der Pressekonferenz, die gestern, Montag 4. März, stattgefunden hat, hat offiziell das 52. Italienische Liederfestival begonnen. Mehr als 500 Radios und Privatfernsehen und fast 160 Presseredaktionen, d. h. gesamt über 1300 Journalisten, sind gestern in der Stadt der Region Ligurien zusammen gekommen und werden dort den Rest der Woche verbringen und der einen oder der anderen Berühmtheit nachlaufen.Während der Pressekonferenz, außer den attraktiven Arcuri und Belvedere und der sympathischen Ventura, sprachen Piepoli, Direktor des Cirm (das Forschungsinstitut, das die Volksjury leiten wird), Alberto Pojaghi und Franco Bixio, jeweils Präsidenten von Afi und Fimi (Union der Schallplattenindustrie). In der Tat sind letztere das Hauptgericht dieses Festivals, die Herren der Musik, jene Personen, die mehr als 50 unabhängige und internationale Firmen vertreten, die in Italien Schallplatten verlegen und für die Sanremo die wichtigste, kommerzielle Schau des Jahres darstellt.
Wie allgemein bekannt ist, hat die Verkaufskrise in den vergangen Jahren, die von dem immer weiter verbreiteten Gebrauch der Digitalbrennungen und der CDR verursacht wurde (es ist absolut illegal Musik zu Brennen und öffentlich wiederzugeben), die Schallplattenbranche in ein tiefe Krise gestürzt, welche zahlreiche Arbeitsplätze und Dienstleistungsfirmen hat einbüßen müssen. Der Grund hierfür liegt unter anderem in den extrem hohen Kosten des phonographischen Materials, dessen Inhalt oft seinen Preis nicht wert ist, aber vor allem in dem Mangel an Ideenreichtum der Abteilungen A&R (künstlerische Leitung), die den Moden und Tendenzen folgen und so einem "Einwegmarkt" zu Leben verhelfen, der keine Talente mehr heranwächst, sondern Künstler und Milliarden in einer manieristischen Pantomime verpulvert, die mit Kunst nichts zu tun hat.
Daher erwarten sich die Schallplattenverleger jedes Jahr immer mehr von Sanremo , unter anderem auch weil es das einzige Medienereignis ist, das die Firmen mitgestalten können, um sich so Publicity auf nationalem Niveau zuzusichern, aber sie werden oft enttäuscht. Im Gegenteil kann man bemerken, dass die Verkaufslisten praktisch nie den Verlauf des Festivals widerspiegeln, sondern vor allem jene Künstler belohnen, die ihre Werke vor Ort verbreiten, indem sie Tourneen und Konzerte organisieren. Dies beweist einen Wachstum und eine Reifung des Publikums, das beeindruckt werden möchte und nicht etwa von tristen, musikalischen Rhetorikübungen, sondern von den Emotionen, die der Künstler mit seinen Liveauftritten ohne Lichtfilter oder Kameras überträgt.
Sanremo bleibt daher ein Ereignis, das mehr an die italienische Tradition gebunden ist, als an das Geschehen der weltweiten Musikbranche (auch weil man im Ausland nicht oder nur wenig von dem Festival spricht): eine Gelegenheit, bei der man zusammenkommt, um zu kritisieren oder zu loben; ein typisch, italienisches Treffen „in piazza" wo sich alle, zumindest ein Woche im Jahr, gleichzeitig Zuschauer und Hauptdarsteller fühlen, in einem Zusammenspiel aus Noten, Worten und Farben, das uns dem Frühling annähert.
März.2002
Das Festival auf Rai 1 (auf italienisch)
Sanremo (auf italienisch)